Heimische Produktion stärken. Für mehr Nachhaltigkeit.

Wien isst gut! Nachhaltigkeit ist wichtig, volkswirtschaftlich und ökologisch gut! Die Corona-Krise hat insbesonders auch aufgezeigt, wie verletzbar die globalisierte Welt ist. Die Produktion von vielen Gütern findet schon lange nicht mehr in Österreich oder Europa statt. Wir wollen das ändern und die heimische und europäische Produktion wieder stärken.

Wussten Sie, dass die Wiener landwirtschaftlichen Betriebe, so viel Gemüse und Obst produzieren, dass damit hochgerechnet der gesamte Jahresbedarf Wien´s gedeckt wäre.

„Das Bio-Zentrum der Stadt Wien ist auf die Urproduktion von Gemüse und Getreide spezialisiert. Wir, die Stadt Wien, wollen die gesamte Wertschöpfungskette in Wien ausbauen und die Verteilung der regionalen Bio-Lebensmittel mit möglichst kurzen Transportwegen umsetzen.“so Umweltstadträtin Ulli Sima.

40 Jahre Erfahrung: Wien ist Bio-Pionierin

Die Stadt Wien zählt mit rund 1.900 Hektar Biofläche zu den größten heimischen Bio-Betrieben. Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bio-Anbau ist die Stadt zugleich Bio-Pionierin. Angebaut werden verschiedenste Getreidesorten von Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel über Hafer bis hin zu Mais und natürlich auch Erdäpfel. Die MA 48 liefert den Bio-Kompost, der aus Makrophyten und anderen Bio-Abfällen hergestellt wird. Die Kompost-Düngung verbessert den Wasserhaushalt, die Durchlüftung und die Durchwurzelbarkeit des Bodens. Bio-Dünger ist somit eines der Grundprinzipien im biologischen Landbau, denn nicht die Pflanzen werden gedüngt, sondern der Boden. Damit entspricht die Stadt auch den strengen Richtlinien von „Bio Austria“, denen sie sich beim Anbau von Bio-Gemüse unterworfen hat.
Alte Sorten in violett, pink und blue

Viele alte Sorten sind durch die Industrialisierung der Landwirtschaft von den Äckern verschwunden. Die Stadt Wien nimmt ihre Verantwortung für den Schutz der Artenvielfalt wahr und kultiviert auch seltene Erdäpfelsorten wie Violetta, Pinki und Salad Blue.

70.000 Tonnen Gemüse aus Wien

Insgesamt werden von den landwirtschaftlichen Betrieben in der Stadt etwa 40 verschiedene Sorten Gemüse angebaut und über 70.000 Tonnen jährlich geerntet. Paradeiser, Gurken, Salate und Paprika sind dabei die beliebtesten Frischgemüsesorten der WienerInnen.

Wir müssen uns aus globaler Abhängigkeit befreien.

Die Produktion soll mit staatlicher Unterstützung wieder verstärkt nach Österreich und Europa zurückgeholt werden. „Kein Mensch kann verstehen, warum wir monatelang auf Schutzmasken und andere medizinische Produkte aus China warten müssen. Diese Abhängigkeit macht uns verletzlich. Davon müssen wir uns befreien. Damit wird die Wirtschaft angekurbelt, Arbeitsplätze geschaffen und die Versorgung in Krisenzeiten gesichert“, betont Rendi-Wagner. Darüber hinaus ist es klimaschädlich, Produkte um die ganze Welt zu verschiffen. „Die Produktion soll – wo möglich und sinnvoll – wieder nach Europa bzw. Österreich verlagert werden“, fordert Rendi-Wagner.

Um das zu erreichen, sollte das Vergaberecht geändert werden. Öffentliche Aufträge in Europa sollen nur jene Unternehmen erhalten, die auch in Europa produzieren und hier Wertschöpfung generieren und nicht mit Subfirmen aus Billiglohnländern operieren, um den Preiswettbewerb zu gewinnen.
Für die Versorgung der Bevölkerung sollten kritische Produkte wie Lebensmittel, Strom und Energie und Arzneien sollten in ausreichendem Ausmaß in Europa produziert werden. Dafür hat der Staat regulativ zu sorgen mit entsprechenden Förderungen und Subventionen, wenn das nicht möglich ist auch über staatliche Betriebe.
Der Staat soll durch entsprechende Förderung von Forschung und Entwicklung und Koppelung dieser Fördergelder an Produktionsstandorte in Europa bzw. Österreich diese Entwicklung stärken.

Pharmariesen müssen stärker zur Versorgungssicherheit verpflichtet werden. Dies könnte beispielsweise bereits im Rahmen der Zulassung durch strengere Auflagen erfolgen, indem eine Produktionsgarantie abgegeben wird (gewisser Anteil des Volumens muss in Europa produziert werden). 80 Prozent der Antibiotika werden heute in China produziert. „In kaum einem anderen Bereich der kritischen Infrastruktur würde man eine derart hohe Abhängigkeit vom Ausland in Kauf nehmen“, so Pamela Rendi-Wagner.